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Alles keimfrei?

Keime trainineren die Abwehr

Verunsicherung unter deutschen Saubermännern:

Im trauten Heim müssen angeblich "gefährliche Krankheitserreger" vernichtet und die Wohnung von Küche bis Bad in eine keimfreie Zone verwandelt werden – sagt die Werbung. Unsinn, sagen Experten

"Antibakteriell" lautet das Zauberwort der neuen Putzmittelgeneration. Vom Spülschwamm über den Müllbeutel bis hin zum Waschmittel besitzen moderne Haushaltschemikalien offenbar vor allem das Potenzial, Krankheitserreger zu vernichten. Wer da noch herkömmliches Putzmittel, altmodische Seife oder durchschnittliches Waschpulver verwendet, kann schon mal ins Grübeln geraten:

Setze ich ohne den "ultra-", "supra-" und "mega-Reiniger" leichtfertig meine Gesundheit aufs Spiel?

Mikroorganismen sind überall

Bakterien, Hefen und Schimmelpilze zählen unter anderem zu den Mikroorganismen. Sie sind – wie der Name sagt – sehr klein: ein hundertstel bis ein tausendstel Millimeter. Einzeln sind sie nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Erst wenn sie sich stark vermehrt haben werden sie auch ohne Mikroskop zunächst als winziges Pünktchen (Kolonie) sichtbar. Scheinbar "saubere" Flächen, Gegenstände, Hände oder auch Lebensmittel sind aus mikrobieller Sicht nur selten "rein".

Keime trainineren die Abwehr

Unsere Umwelt ist von Natur aus mit vielfältigen Keimarten besiedelt. Der menschliche Körper, ebenso der eines Tieres, setzt sich mit ihnen in der Regel erfolgreich auseinander, ohne zu erkranken, und trainiert so die körpereigene Abwehr. Dies gilt bedingt sogar für eine Reihe von Krankheitserregern, wenn diese nur in geringer Menge vorhanden und die Abwehrkräfte des Organismus gut entwickelt sind.

Auf Art und Menge kommt es an

Es ist also in vielen Fällen weniger die mikrobielle Besiedlung an sich, die ein gesundheitliches Risiko darstellt, als vielmehr die Art und Anzahl der besiedelnden Keime sowie die Tatsache, dass sich Bakterien in Lebensmitteln oder auf Gegenständen unter günstigen Bedingungen sehr schnell vermehren können. Ein unsauberes, feuchtes Wischtuch kann ohne Weiteres mit 100 Millionen Keimen pro Quadratzentimeter und mehr besiedelt sein. Werden mit einem solchen Lappen Messer oder Gefäße "gesäubert", dient das eher der Verbreitung von Keimen als der Reinigung.

Desinfektionsmittel: im Normalfall unnötig

Desinfektionsmittel sind in privaten Haushalten nicht nötig und auch nicht wünschenswert, sagt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV). Nicht nötig, weil in einer normalen Wohnung nicht überall gefährliche Erreger lauern. Außerdem sind Keime ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Sie trainieren das Abwehrsystem. Nicht wünschenswert, weil ein Übermaß an Reinigungsmitteln die Umwelt unnötig belastet. Das gelte auch für Kombi-Präparate zum gleichzeitigen Waschen und Desinfizieren. Sie hätten bei der üblichen Anwendungskonzentration ohnehin keinen positiven Einfluss auf das Reinigungsergebnis.

Ausnahme 1:

Desinfektion wird ärztlich verordnet Es gibt auch Ausnahmefälle, in denen eine chemische Desinfektion sinnvoll sein kann. Dazu gehören Haushalte, in denen Dauerausscheider von Salmonellen leben oder Menschen mit anderen Gesundheitsproblemen, denen Desinfektionsmaßnahmen beispielsweise ärztlich verordnet wurden.

Sowohl die behandelnden Ärzte als auch das zuständige Gesundheitsamt geben meist sehr präzise Anweisungen für die vernünftige und wirkungsvolle Anwendung der Desinfektionsmittel.

Ausnahme 2:

Medizinbetrieb und Industrie Anders als im Privathaushalt sieht es im medizinischen und gewerblichen Bereich oder bei der industriellen Herstellung von Lebensmitteln aus. Dort werden, je nach Arbeitsplatz, spezifische Anweisungen zur Reinigung und Desinfektion gegeben.

Manche Betriebe nutzen dafür die Dienste externer Firmen, die sich auf diese Verfahren spezialisiert haben.

Ein Muss: Hygiene rund um Fläschchen und Sauger

Wer gerade Nachwuchs bekommen hat, muss wissen, dass sich krank machende Keime in zubereiteter Säuglingsmilch und Milchresten schnell vermehren. Darauf reagiert das unausgereifte Verdauungssystem eines Babys sehr empfindlich. Rund um Fläschchen und Sauger sollte daher alles pikobello sein. Doch selbst hier sind spezielle chemische Mittel unnötig – bzw. wegen möglicher Rückstände schädlich. Untersuchungen haben gezeigt: Drei Minuten Auskochen in sprudelndem Wasser genügen, um alle krank machenden Keime sicher abzutöten. Wem das zu mühsam ist, der kann die Flaschen in einem speziellen Gerät mit heißem Dampf (Vaporisator) desinfizieren. Wenn Ihr Kind etwa sechs Monate alt ist, reicht es, Flaschen und Sauger nur noch in der Spülmaschine oder per Hand zu reinigen.

Wichtiger Tipp: Bewahren Sie Reinigungsmittel immer kindersicher auf.

Gerade Produkte mit Bildern von Zitrusfrüchten und mit aromatischen Geruchskomponenten können sonst leicht mit Getränken verwechselt werden und schwere Vergiftungen hervorrufen. In diesem Fall sofort an eine Giftinformationszentrale wenden!

Quelle: Merkblatt "Verbrauchertipps zu Lebensmittelhygiene, Reinigung und Desinfektion", Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV): www.bgvv.de

 
 




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