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Krebs
Schon in der Antike vermutete Hippokrates Zusammenhänge zwischen der psychischen Verfassung "Melancholie" und der Entstehung von Krebs. Bis heute gibt es Verfechter der Theorie vom "Krebscharakter"
Er nimmt keine Rücksicht auf sich selbst, opfert sich für die Bedürfnisse anderer auf, schluckt Ärger einfach herunter und verdrängt unangenehme Gefühle wie Wut und Ärger – der typische Krebspatient. Gibt es ihn wirklich?

Macht Kummer krank?
Manches spricht dafür Das komplexe Zusammenspiel von Psyche, Nerven- und Immunsystem ist Gegenstand einer noch jungen Wissenschaft, der Psychoneuroimmunologie. Ihre Forschungsergebnisse scheinen die These von der Krebspersönlichkeit indirekt zu stützen: Es gibt Hinweise, dass unser Immunsystem auf seelische Einflüsse reagiert. Das Immunsystem spielt nach der These der Immunüberwachung eine Schlüsselrolle bei der Tumorentstehung: Bei jedem Menschen – so die Annahme – entstehen immer wieder vereinzelte Krebszellen. Sie werden von einem intakten Immunsystem als fremd erkannt und unschädlich gemacht. Es wäre theoretisch denkbar, dass ein Immunsystem, dass durch bestimmte seelische Zustände chronisch geschwächt wird, Krebs schlechter abwehrt. Die seelische Verfassung eines Menschen könnte sich außerdem auf die Selbstheilungskräfte des Menschen auswirken. Eine Forschergruppe verfolgte beispielsweise das Schicksal von Brustkrebspatientinnen mit und ohne Depression über fünf Jahre. Die Sterblichkeit bei Patientinnen mit einer depressiven Erkrankung war um das 3,6 fache erhöht.

Manches spricht dagegen Kritiker halten die Theorie von der "Krebspersönlichkeit" für problematisch, denn sie bürdet dem Erkrankten sozusagen eine Mitschuld an seiner Erkrankung auf. Meistens funktioniert sie auch nur im Umkehrschluss. So konnte ein Würzburger Forschergruppe zeigen, dass die "typischen" Wesensmerkmale fast immer bei Patienten gefunden wurden, die ihre Diagnose bereits kannten. Die vermeintliche Krebs-persönlichkeit konnte also auch die natürliche Reaktion auf das Wissen um die ernste Erkrankung sein. Es ist zwar durchaus denkbar, dass es einen Zusammenhang zwischen seelischer Verfassung und Krankheit gibt. Doch welche Lebensereignisse sich im Einzelfall negativ auswirken, ist vermutlich individuell sehr verschieden: Was für einen Menschen "Stress" bedeutet, muss für einen anderen nicht genauso belastend sein. Es gibt individuelle Unter-schiede in der Verarbeitung belastender Situationen – die können nicht berücksichtigt werden.
Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein gesichertes Wissen darüber, ob und wie unter dem Einfluss psychisch belastender Situationen das Risiko einer Krebserkrankung zunimmt. Bei der Entstehung von Krebs wirken verschiedene, bisher nur teilweise bekannte Faktoren zusammen. Wie mögliche psychische Einflüsse zu gewichten sind, kann niemand genau sagen. Unabhängig davon, ob und wie die Psyche an der Krankheitsentstehung beteiligt sein mag, ist eine gute psychische Betreuung für viele Betroffene von großer Wichtigkeit.
Lese-Tipp: "Wieder gesund werden" von O. Carl Simonton, Stephanie Matthews Simonton, James Creighton. Der Arzt O.C. Simonton hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, ob Zusammenhänge zwischen der seelischen Verfassung eines Patienten und dem Verlauf seiner Erkrankung bestehen. In seinem Buch für Krebspatienten und ihre Angehörigen schildert Simonton seine Erfahrungen und gibt Anleitungen zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte.

 
 

 





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