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Magersucht

Forscher der Universität Münster konnten zeigen, dass bei magersüchtigen Patientinnen die Hirnmasse abnimmt. Im Vergleich zu gesunden Frauen ist ihre geistige Leistungsfähigkeit vermindert

Ein Team aus Psychologen und Radiologen der Universität Münster untersuchte zwölf Betroffene mit einem durchschnittlichen Body Mass Index von 14,9. Die Frauen waren im Mittel 22 Jahre alt. Sie schnitten in allen neuropsychologischen Untersuchungen schlechter ab als gesunde Frauen, etwa beim Erinnern von Wörtern, Tests auf Reaktionszeiten oder bei Konzentrationsaufgaben. Bildgebende Untersuchungen zeigten eine Abnahme der Hirnmasse. Stoffwechselprodukte, die Hinweise auf Dichte, Integrität und Funktionalität von Nervenzellen geben, waren in bestimmten Hirnregionen reduziert. Die biochemischen Parameter korrelierten mit den geistigen Leistungseinbußen und mit der Depressivität der Patientinnen.

"In der ersten Phase ihrer Askese sind die Patientinnen oft leistungsfähiger als zuvor", berichtet Dr. Patricia Ohrmann von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Münster.

Erreichen die Betroffenen jedoch deutliches Untergewicht – einen Body Mass Index von 17,5 oder weniger – nehmen Denk-, Lern- und Reaktionsvermögen ab.

Während einer Therapie nahmen die Frauen zwar deutlich zu, auch ihre Neigung zur Depression ging zurück. Dennoch besserten sich die untersuchten neurobiologischen und -psychologischen Parameter auch sechs Monate nach dem Therapieerfolg nicht. "Wir hoffen, daß eine solche Besserung im weiteren Verlauf noch eintritt", sagt Ohrmann.

Sie und ihre Radiologie-Kollegin Privatdozentin Dr. Bettina Pfleiderer gehen davon aus, dass ein anhaltender Mangel an Nährstoffen sowie damit verbundene Hormonschwankungen (eine Verringerung von Östrogen und eine Vermehrung von Glukokortikoiden) die Nervenzellen zerstört. Darum nimmt die Hirnmasse ab. Nicht zuletzt um solche Folgen zu verhindern, die sich möglicherweise nicht in jedem Fall zurückbildeten, sei es wichtig, früh und effektiv zu behandeln, sagt Ohrmann.

Magersucht (Anorexie) ist eine psychisch bedingte Ess-Störung, bei der die Betroffenen ihre Nahrungsaufnahme stark einschränken. Die Patienten hungern, sind übertrieben sportlich, manche greifen zu Abführmitteln, Appetitzüglern oder wassertreibenden Medikamenten, um an Gewicht zu verlieren. Das Körpergewicht der Patienten liegt deutlich unter dem normalen Wert. Etwa 95 Prozent der Magersüchtigen sind Frauen. Ihren Anfang nimmt die Erkrankung meist während oder nach der Pubertät. Ärzte Zeitung/GesundheitPro.de

 
 

 





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