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Karies

Amerikaner entwickeln Mundspray gegen Karies

Nie wieder Zähneputzen?
An Mundsprays und sogar einer Impfung gegen die feindlichen Karies-Bakterien wird intensiv geforscht

Etwa 500 verschiedene Bakterienstämme siedeln in unserer Mundhöhle, unter ihnen die Vertreter der Streptococcus-mutans-Gruppe – die Hauptverantwortlichen für Karies, einen der beiden größten Zahnkiller. "Rund 20 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen bei uns haben ein ernstes Kariesproblem", sagt Professor Joachim Klimek, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Aufklärungsarbeit tut Not, denn die wesentlichen Gründe für das Entstehen von Karies sind mangelnde Mundhygiene und falsche Ernährung.

Geschätzte jährliche Behandlungs- und Folgekosten: bis zu zwölf Milliarden Euro.

Immer noch nicht ausgereift: die Spritze gegen Karies

An einer Impfung wird seit mehr als 30 Jahren geforscht – bislang ohne Erfolg. Zwar kann man den Organsimus gegen einen ganz bestimmten Keim immunisieren. Mutans-Streptokokken kommen jedoch in vielen verschiedenen Arten vor, so dass ein Serum gegen die gesamte Gruppe entwickelt werden muss. "Das ist", so der Karies-Experte, "bisher nicht gelungen." Auch sei nicht auszuschließen, dass andere säureproduzierende Bakterien die Rolle übernehmen und das zerstörerische Werk fortsetzen.

Amerikaner entwickeln Mundspray gegen Karies

Mehr Anlass zu Hoffnungen geben klinischen Vorstudien in den USA. Dort wird versucht, das Übel mit Hilfe eines Sprays im Frühstadium zu bekämpfen. Im Fokus steht ein Enzym, die Glykosyltransferase, das von den Bakterien produziert wird. Es hat spezielle Fähigkeiten und ermöglicht es den Bakterien, sich aneinander zu heften und die Zahnoberfläche mit einem schädlichen Biofilm zu überziehen. Momentan versuchen Forscher, die Bildung von Antikörpern anzuregen, die das Enzym blockieren und damit die Kolonisation der Mutans-Streptokokken unterdrücken.

Nicht Bakterien, sondern ihr Stoffwechselprodukt Säure zerstört den Zahn

Das ist seit langem bekannt. Und bereits vor 15 Jahren entdeckte Forscher Jeff Hillman von der University of Florida in Tallahassee einen interessanten Mutanten von Streptococcus mutans: Aus den Kohlenhydraten, in erster Linie Zucker, mit denen wir unsere mikroskopisch kleinen Untermieter versorgen, produzieren sie keine ätzende Säure, sondern Alkohol, der hier harmlos ist. Erst durch die Entwicklung der Gentechnik kam dieser Erkenntnis eine neue Bedeutung zu: Seit rund zwei Jahren versucht man nun, die Alkohol produzierende Mutante im Genlabor zu erzeugen und im Mund gegen ihre aggressiven Verwandten auszutauschen. Aus Klimeks Sicht ist das eine erschreckende Vorstellung: "Niemand kann sagen, wie sich so ein gentechnisch verändertes Bakterium in der Mundhöhle verhält und was für weitere Mutationen auftreten können."

Im Test: Ein Mineral, das Löcher zuwachsen lässt

In eine ganz andere Richtung denkt man am Dresdner Max-Planck-Institut: Wie lässt sichder Zahn bei fortgeschrittener Karies retten? Aus Kalzium, Phosphat und Gelatine soll im Labor das Mineral Apatit gezüchtet werden, aus dem der Zahnschmelz besteht. Die Idee: Sobald der Zahnarzt die Karies entfernt hat, füllt er das Bohrloch mit dem Stoff auf, dieser bildet neue Apatit-Kristalle und lässt so den Zahn langsam wieder zuwachsen. "Die praktische Anwendung liegt noch in weiter Ferne", kommentiert Klimek.

Im Fortschritt: Bessere Diagnostik und schmerzarme Behandlung

Wo früher Spiegel, Sonde und Röntgengerät im Einsatz waren, hilft heute High-Tech: Die neuesten Geräte erkennen Karies durch Laserfluoreszenz und decken kariöse Anfangsstadien sogar an versteckten Stellen auf. Auch vor dem Bohren muss niemand mehr Angst haben. Instrumente und Füllmaterialien wurden so verfeinert, dass eine minimal-invasive Erstversorgung möglich ist. Aus Schweden kommt eine weniger schmerzhafte Alternative: Eine Lösung wird auf den Zahn gespachtelt und "frisst" die Karies weg; ein etwas langwieriger Vorgang, bei dem es oft nicht ganz ohne Bohren geht.

Bewährt: Fluoride in Zahnpasta und Speisesalz

"Fluoride sind eine bewährte Waffe im Kampf gegen die Karies", sagt Professor Klimek. "Sie hemmen die Auflösung des Zahnminerals durch Säuren und helfen, kleine Mineralverluste im Anfangsstadium der Karies zu ersetzen." Von der Idee, das Trinkwasser zu fluoridieren und von der routinemäßigen Verordnung von Fluoridtabletten für Kinder ist man aber wieder abgekommen: Nahezu jede Zahnpasta enthält heute Fluorid; zusätzlich sollte in jedem Haushalt fluoridiertes Speisesalz verwendet werden. Regelmäßiges Zähneputzen und gesunde Ernährung sind Kernpunkte der Karies-Prophylaxe.

 
 




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