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Mutter mit 14

Abbrüche in fünf Jahren fast verdoppelt

Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche bei Schulmädchen nehmen seit einigen Jahren in Deutschland bedenklich zu. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts bleiben die Jugendlichen beim Thema Aufklärung zu sehr sich selbst überlassen.

Mehr als 7.000 minderjährige Mädchen brachten im Jahr 2000 in Deutschland ein Baby zur Welt – das sind rund 45 Prozent mehr als 1998. Die Zahl der Mädchen, die zum Zeitpunkt ihrer Niederkunft jünger als 14 Jahre alt waren, hat sich von 77 auf 161 sogar nahezu verdoppelt.

Abbrüche in fünf Jahren fast verdoppelt

Dramatisch stieg zudem die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Teenagern: Allein von 2000 auf 2001 wuchs sie um ein Fünftel von 5763 auf 6909. Ebenfalls um 20 Prozent nahmen die Abbrüche bei Mädchen unter 14 Jahren zu – im Jahr 2000 trieben 574 ganz junge Mädchen ab, 2001 waren es 696. Den alarmierenden Trend erhärten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden: Schwangerschaftsabbrüche bei Mädchen unter 15 Jahren stiegen im Zeitraum von von 1996 bis 2001 sage und schreibe um 90 Prozent.

Pubertät setzt merklich früher ein

Was sind die Gründe für die Zunahme der Schwangerschaften bei den ganz jungen Frauen? Dr. Gisela Gille, Ärztin aus Lüneburg und Vorsitzende der "Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V." (ÄGGF) führt den Anstieg unter anderem darauf zurück, dass Mädchen immer früher geschlechtsreif werden. Hierzulande bekämen Mädchen ihre ersten Menstruation heute im Durchschnitt bereits mit zwölf Jahren. Viele seien sogar schon mit neun oder zehn Jahren geschlechtsreif. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2001 hat bereits jede zehnte 14-Jährige und jede vierte 15-Jährige Geschlechtsverkehr gehabt. "Eine Folge des frühen Einstiegsalters in die Sexualität ist, dass etwa 18 Prozent der 14- bis 15-jährigen Mädchen beim ersten Geschlechtsverkehr nicht verhüten", merkt Gisela Gille an. Zusammen mit ihren ärztlichen Kolleginnen des ÄGGF besucht die engagierte Gynäkologin Schulen, um die Mädchen und Jungen im Dialog besser aufzuklären.

Domina-Getue überdeckt Aufklärungsmängel
Die Jugendlichen halten sich zwar für ausreichend aufgeklärt, sind es jedoch nicht, wie kürzlich die Forschungsgruppe "Kinder- und Jugendgesundheit" des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin im Rahmen einer Studie mit 1911 Schülerinnen und Schülern belegte. Teenager hantieren zwar souverän mit Begriffen wie "Dildo", "Dreier" oder "Domina". Bei Fakten wie Empfängnisverhütung und Schwangerschaft gaben jedoch 61 Prozent der befragten Sechstklässlerinnen an, im Unterricht selten oder überhaupt nicht darüber gesprochen zu haben. Trotzdem stuften 38 Prozent ihre Kenntnisse als "gut" bis "sehr gut" ein.

Pragmatischer Friede mit der Pille

Angst vor Nebenwirkungen überschatten das Thema Empfängnisverhütung – so befürchten 60 Prozent der befragten Mädchen eine Gewichtszunahme, fast die Hälfte ein erhöhtes Krebsrisiko. Nahezu zwei Drittel trauen der Sicherheit des Verhütungsmittels nicht. Noch mehr als die Pille fürchten die Mädchen jedoch die Schwangerschaft. "Darum schließen viele Mädchen einen pragmatischen Frieden mit der Pille", kommentiert Gille, "ohne jemals über ihre Sorgen und Befürchtungen ausführlich sprechen zu können." Hinzu kommt der soziale "Erfolgsdruck" nach dem Motto "alle außer mir". Die befragten Mädchen schätzten den Anteil der Altersgenossinnen, die bereits Geschlechtsverkehr haben, deutlich höher ein als die tatsächliche, in Umfragen ermittelte Quote.

Licht am Horizont: Ärztinnen-Einsatz an den Schulen

Das Engagement des ÄGGF an den deutschen Schulen bewährt sich: Die Mädchen der sechsten Klassen verbesserten nach den Aufklärungsgesprächen ihr Wissen um 84 Prozent, die Schülerinnen der neunten und zehnten Klassen um 32 Prozent.

 
 




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